Karl hibbelt unruhig auf seinem Stuhl herum. Er provoziert seinen Mitschüler neben sich und stört damit auffällig den Unterricht. Die Zurechtweisung mit dem Gehibbel aufzuhören, den Mitschüler in Ruhe zu lassen, oder den Schüler an einen anderen Platz zu verweisen, verstärkt eher sein unruhiges aggressives Verhalten.Wie ein Springfeuer breitet sich die Unruhe in der ganzen Klasse aus. Jede Lehrerin kennt solche Situationen. Aber wie damit umgehen?
Karls Verhalten nährt sich aus einer inneren Unruhe, Aggressionen die nicht so leicht zu verstehen sind. Kinder bringen unausgesprochene schwierige Stimmungen aus ihrer Familie mit in die Schule oder die Kita.

Bewegung die Sprache des Unbewussten

Es ist Ihnen nicht bewusst, was sie tun, es sind Affekte, die ihr ganzes Wesen erfassen und die sie nur durch Bewegung ausdrücken können.
Als Erzieherin oder Lehrerin sind Sie täglich mit diesen Verhaltensweisen und den darunterliegenden unaussprechlichen Spannungen konfrontiert und oftmals auch überfordert. Verbal erreichen Sie bei den Kindern meist nichts. Es sind unbewusste Spannungen, die sich nonverbal in Bewegung mitteilen und die auch nur da über Bewegung zu erreichen und zu wandeln sind. All das ist uns kognitiv kaum zugänglich. Und doch gibt es auch im irrationalen Unbewussten Gesetzmäßigkeiten, die uns Zugang zu diesen schwierigen Affekten und Stimmungen gewähren. Diesen Zugang können wir ganz spielerisch über Bewegung bekommen. So kann unterdrückte Energie frei werden und sich im Miteinander lösen. Auf diese Weise entsteht in der Gruppe auf ganz natürliche Weise Präsenz, Aufmerksamkeit und auch ein echtes Zugehörigkeitsgefühl.

Bewegung und soziale Kompetenz

Bewegungsinteraktionen sind geteilte Erfahrungen, die in ihrem Kern unsere Kontaktfähigkeit, aber auch unsere inneren Spannungen, unsere Unsicherheiten und Vermeidung von Kontakt in sich tragen. Der Körper signalisiert, ob wir uns innerhalb einer Beziehung wohl oder unwohl fühlen. Er signalisiert, ob wir uns sicher fühlen und wahrgenommen in unseren Bedürfnissen und unserem Sein. Oder ob er, wie bei Karl, Spannungen erzeugt und nur durch provozierende Bewegung ein Ventil findet, um sie loszuwerden.

Der bewegte Morgenkreis

Was könnten Sie als Lehrerin oder Erzieherin in einem Morgenkreis anders machen? Wie könnte so eine kleine bewegte Sequenz in einer Gruppe aussehen?
Karl hibbelt und stupst auch hier im Kreis seinen Nachbarn an. Die Lehrerin stimmt sich mit ihrem Körper auf seine Bewegungen ein und beginnt sich kraftvoll rhythmisch zu schütteln. Mit ihren Händen greift sie dann das Schubsen als imaginäres Schubsen zur Kreismitte hin auf. Alle im Kreis greifen jetzt auf ihre Art diese Bewegung auf. Die Lehrerin begleitet dies verbal, mal verstärkt sie das Schütteln mit dem ganzen Körper, dann lässt sie die Bewegungen wieder kleiner werden bis nur noch die Hände schütteln und schließlich schieben. Sie gibt nun die Bewegung an Karl weiter. Dieser schießt mit einem Zischlaut kraftvolle unsichtbare Pfeile durch den Raum zu seinem Gegenüber und sucht dabei Augenkontakt. Die ganze Gruppe ist mittlerweile aufmerksam und mit Spaß dabei. Jetzt kann der Unterricht beginnen, die Kinder sind präsent und motiviert – auch Karl hat sich über seinen Körper ausgedrückt und ist nun wieder aufnahmebereit für Neues.
So oder ähnlich könnte ein morgendliches bewegtes Ankommensritual mit Ihrer Klasse aussehen. Die Kinder lernen im sozialen Miteinander sich aufeinander einzustimmen und ihre Gefühle in Bewegung auszudrücken. Sie lernen auf spielerische Weise körperlich empathisch und präsent zu sein.

Hierzu biete ich folgende Fortbildung an:

Körperliche Empathie, Affektregulation und Beziehungsgestaltung in der heilpädagogischen und therapeutischen Praxis
In diesem Kurs lernen Sie die nonverbale Sprache Ihrer Schüler besser verstehen. Wir üben den Körperausdruck in Bewegung zu verwandeln und somit als Sprache der Affektregulierung einzusetzen. Gemeinsam und spielerisch entwickeln wir ein Repertoire an Interventionsmöglichkeiten, damit Sie als Lehrerin Spannungen konstruktiver nutzen können. Dabei liegt unser Augenmerk auf der Stärkung sozialer Kontaktfähigkeit, Freude und der Ausbildung von Präsenz und Lernbereitschaft einer Klasse oder Gruppe.

Informationen zur Fortbildung finden Sie unter Körperliche Empathie…