Haben Sie sich schon einmal erlaubt, im Begrüßen einer Person, die Sie nicht kennen, zu fremdeln, den Moment zuzulassen, der sich so unsagbar unsicher anfühlt, der vorsichtig ist, der sich verstecken will? Oder springen Sie eher übermütig über die eigene Unsicherheit hinweg, indem sie keck und herausfordernd in die Begegnung gehen?

Der Gruppenanfang

In der körperorientierten Selbsterfahrung einer Gruppe eröffnen wir in spielerischen Begegnungen einen experimentellen Raum, in dem wir diesen Aspekten der nonverbalen Kommunikation unsere Aufmerksamkeit schenken. Die Gefühle, die wir im Lebensalltag unterdrücken, bekommen hier Raum. Ich kann bewusst erfahren, wie scheu ich eigentlich in einem ersten Kontakt mit einer mir unbe-kannten Person bin. Ich kann mir erlauben meine scheue Seite einmal ganz
zu empfinden und mit ihr zu sein. Und das erfordert Mut.
Die begleitende Musik unterstützt mein spontanes Experimentieren mit meinen Bewegungen, es fällt leichter in einem Rhythmus verschiedene Körperteile in den bewegten Dialog einzubeziehen. Andere Teilnehmerinnen sind auch mit sich und dem Experimentieren beschäftigt. Die Anleitungen der Therapeutin geben der Scheuen, dem Kecken, der Aufbrausenden oder auch dem ganz Stillen die Erlaubnis, sich zu zeigen. Es entsteht eine lustbetonte, manchmal freudvolle Stimmung im Raum, die auch Momente der innigen Stille in sich bergen kann oder die sich rhythmisch laut ausbreitet.
Wir haben uns als Gruppe warm getanzt und stehen nun im Kreis, um einige unserer ganz eigenen Entdeckungen, die wir in diesem bewegten Begrüssungsexperiment erfahren haben, zu beschreiben und mitzuteilen.

Was TeilnehmerInnen sagen

Es fallen Sätze wie:“ Ich merke, dass ich im Brustkorb eng werde und nach unten schaue, wenn ich unsicher bin. Es war viel leichter für mich, mit dem Fuß der Anderen in Kontakt zu kommen und meinen Fokus dort unten auf den spielenden Füssen zu haben. Mich hat der Rhythmus der Musik getragen und es war leicht für mich in den Kontakt zu kommen“, sagt hingegen eine andere Teilnehmerin. Ein erster aufregender Schritt in eine neue Gruppe ist geschafft.
Am Anfang einer neuen Gruppe, die gerade dabei ist sich zu finden, ist es wichtig emotionale Themen zu Kontaktaufnahme auf spielerische Weise zu erforschen. Dies gibt Raum für ein Kennenlernen auf der ganz körperlichen Erfahrungsebene. Es werden bewegte Interaktionen angeboten, die die Unsicherheit auf verspielte Weise in einem ersten Kontakt hautnah lebendig werden lassen. Dazu gehört die Erlaubnis, mit der eigenen Unsicherheit in Kontakt zu gehen und, mit normalerweise ausgeblendeten und automatisierten Verhaltensweisen in Kontakt zu kommen, die im Alltag auf der Beziehungsebene oft schwierig sind und die wir am liebsten gar nicht fühlen wollen. Die Erlaubnis das Verletzliche wahrzunehmen, nicht zu bewerten, nicht zu vermeiden ist ein erster großer Lernschritt, bei dem wir uns dem zuwenden, was sich angepasst hat, was unterdrückt wurde und was unsere Lebendigkeit und Spontaneität einschränkt. Diese Fähigkeit sich wertfrei im eigenen Körper zu empfinden, sich zu fühlen und damit zu experimentieren, diese Erlaubnis ist ein entscheidendes Kernkonzept, welches die Therapeutin im weiteren Verlauf der Gruppe immer wieder einbringen wird.

Wertschätzung für den Prozess

Der wertschätzende Umgang mit den eigenen Schwächen ist eine Grundvoraussetzung, um an eigenen Themen arbeiten zu können. Er ist auch eine unerlässliche Grundvoraussetzung, um als Mensch in helfenden Berufen empathisch mit anderen Menschen arbeiten zu können. Hier am Anfang einer Gruppe wird das Schwierige und noch Ungewohnte vom Rhythmus der Musik getragen. Die erlaubenden Worte der Therapeutin, die beschreibende Aufforderung zum kreativen Experimentieren erleichtern es den Teilnehmerinnen sich tiefer auf diese Prozesse einzulassen. Alle in der Gruppe bewegen sich zur gleichen Zeit in einem werturteilsfreien und gehaltenen Raum. Die kreativ experimentierende Erfahrung nährt und bestärkt im handlungsorientierten Erleben. Das eigene Wesen wird berührt und kann sich rühren.

Sich in der Gruppe einbringen

Im Beschreiben und Mitteilen dessen, was Teilnehmerinnen erfahren haben, entsteht nun fast ganz von alleine wertschätzendes Zuhören. Wir lernen unsere Unterschiede kennen und schöpfen aus dieser Vielfalt von Erleben erstes Vertrauen in uns selbst und in die Gruppe.
Die aufregenden Erfahrungen aus dem ersten bewegten Kontakt werden oftmals von der Partnerin ganz mitfühlend beschrieben und der Mut diesen eigenen verletzlichen und ängstlichen Anteil gezeigt zu haben, wird wertschätzend benannt. Genau das sind die öffnenden Momente, die ein Teilnehmen wollen an der neuen Gruppe möglich machen. Genau das sind auch die Momente von Authentisch in Beziehung sein und Gesehen werden, die uns nähren und wachsen lassen, die uns tiefer in den Kontakt mit unserem Wesenskern bringen.

Kontakt knüpfen

Im weiteren Verlauf der Gruppe lernen TeilnehmerInnen ihren eigenen Körper als Resonanzfeld auch für den Kontakt mit anderen wahrzunehmen. Je selbstsicherer Sie sich fühlen, desto mehr wagen Sie es ihre eigenen Bedürfnisse und Bedenken auszudrücken und sich mehr und mehr auf echte Nähe in Beziehungen einzulassen. Sie lernen dem Leben auf spontane und natürliche Weise in Wertschätzung all ihrer Erfahrungen zu begegnen, den freudvollen als auch den schwierigen und herausfordernden. Wir begegnen in diesem Augenblick dem Leben selbst mit all seinen Facetten.